Gedenkstättenfahrt zum ehemaligen KZ Ravensbrück
08. Juli 2026

Am 08. Juli haben wir das ehemalige Frauenkonzentrationslager Ravensbrück besucht. Es war seit 1939 zentraler Ort nationalsozialistischer Verfolgung von Frauen. Etwa 120.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1.200 junge Mädchen wurden in dem KZ in der Nähe des ehemaligen mecklenburgischen Luftkurortes Fürstenwalde – rund 80 km nördlich von Berlin – registriert. Auf dem Geländer errichtete die SS Produktionsstätten, wie Schneiderei und Weberei zur Ausbeutung der Frauen. Häufig war das KZ lediglich Durchgangsstation auf dem Weg in eines der über 40 Außenlager.
Ab 1942 betrieb die Firma Siemens neben dem KZ-Gelände eine Produktionsstätte und beschäftigte rund 2.000 Frauen in Zwangsarbeit.
Menschenversuche
"Ich war kein Versuchstier. Ich war ein Mensch.“ Dieser Satz vieler Überlebender bringt auf erschütternde Weise auf den Punkt, was - neben der Zwangsarbeit - im ehemaligen KZ Ravensbrück geschah: Zwischen Juli 1942 und August 1943 führte die SS dort medizinische Versuche an 74 junge polnische Frauen und 12 Frauen aus anderen Ländern durch, die dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung angehörten. In einer Versuchsreihe fügten SS-Ärzte den Frauen gezielt tiefe Verletzungen an den Unterschenkeln zu. Die Wunden wurden anschließend mit Krankheitserregern sowie mit Fremdkörpern wie Holz- oder Glassplittern verunreinigt, um schwere Kriegsverletzungen zu simulieren. Ziel war es, den Verlauf von Wundinfektionen zu beobachten und die Wirksamkeit von Sulfonamiden zu untersuchen. In weiteren Experimenten wurden Muskeln, Nerven und Knochen entfernt oder absichtlich beschädigt. Es sollten Möglichkeiten der Knochenregeneration, Gewebetransplantation und rekonstruktiven Chirurgie erforscht werden – nicht zum Wohl der Patientinnen, sondern für militärische Zwecke. Die Eingriffe verursachten unvorstellbare Schmerzen, schwere Infektionen, dauerhafte Behinderungen und in zahlreichen Fällen den Tod.
Überlebende kämpften nach dem Krieg jahrzehntelang für die Anerkennung ihrer Leiden. Viele von ihnen sagten in den Nürnberger Ärzteprozessen aus und trugen entscheidend dazu bei, dass die Welt von diesen Verbrechen erfuhr.
Ungarinnen
Ein großer Anteil der Frauen waren ab Mittte 1944 Ungarinnen. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht und der SS am 19. März 1944 in Ungarn setzten auch die Deportationen aus Ungarn in das KZ Ravensbrück ein. Über 9.000 überwiegend als jüdisch verfolgte Ungarinnen wurden nach Ravensbrück verschleppt. Wegen der Überbelegung der Baracken ließ die SS im Herbst 1944 sogar ein Zelt errichten, in dem Hunderte – darunter viele Ungarinnen – unter fast freiem Himmel leben mussten. Schlamm, Kälte und Krankheiten bestimmten den Alltag.
Zehntausende Frauen wurden ermordet, starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Versuche.
Auch für viele Ungarinnen bedeutete die Zwangsarbeit eine zusätzliche Belastung, die viele nicht überlebten. Besonders in den letzten Kriegsmonaten 1944/45 stieg die Sterblichkeit rapide an; mehrere Tausend ungarische Frauen starben in Ravensbrück oder in seinen Außenlagern.
Am 30. April 1945 befreite die Rote Arme das Konzentrationslager.
